Der große Tag, 09.07.2017

Erst waren es noch Monate bis zum 09.07, dann noch Wochen und auf einmal stand der große Tag schon kurz bevor. Am Donnerstag, 06.07 ging es dann los in Richtung Frankenland. Um sich vor Ort schon mal umzuschauen, die Lage zu checken und langsam Wettkampfluft zu schnuppern. Bereits seit Montag hatte ich im Kopf schon angefangen die Sachen zu packen, um sie dann am Mittwoch final in vier Taschen zu verstauen: Neoprenanzug, Wettkampfklamotten, Wechselklamotten, Sachen für das Wochenende sowie Material und jegliche Riegel, Gels und Isogetränke. Beim Triathlon ist man schnell beladen wie ein Esel. Am Donnerstag war im Büro an konzentriertes Arbeiten nicht mehr zu denken, denn hatte sich die Aufregung bisher noch nicht bemerkbar gemacht, kam diese am Donnerstag schlagartig auf und ich wurde das erste Mal etwas nervös.

Mit Sach und Pack und der ganzen Familie ging es dann am Donnerstag von München nach Roth. Mit einem Sprinter, indem die Räder und Zelte für die Fans drinnen waren, sowie mit dem Familienflitzer startete die Haschigk-Kolonne. Wirklich weit sind wir nicht gekommen, denn kaum auf der A9 fing der kleine Familienflitzer an zu stottern und ich konnte nicht mehr beschleunigen. Kurz hinter Eching hieß es dann: Fahrt frühzeitig beendet, ab auf den Standstreifen und auf den ADAC warten. Der ADAC schleppte uns dann ab, um in der nahegelegenen Werkstatt das Auto zu prüfen. Familie Haschigk spielte dann schon die einzelnen Szenarien durch, wie ich und mein Fahrrad trotzdem noch am selben Abend nach Roth kommen, falls das Auto erst am nächsten Tag repariert werden könne. Ich dachte mir nur: „super Start, da kann es ja nur besser werden. Naja besser jetzt eine Panne als am Sonntag auf dem Rad!“ Es war jedoch alles halb so wild und nach kurzem Auswechseln der Zündkerzen konnten wir mit beiden Autos weiterfahren! Mit „kleiner“ Verspätung kamen wir dann müde aber erleichtert um 22 Uhr in Roth an.

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An Ausschlafen war am Freitag jedoch nicht zu denken, denn es ging schon in der Früh zum Kanal, um das Wasser zu testen und ein paar Meter „Probe zu schwimmen“. Trotz leichtem Regen tummelten sich dort bereits einige Triathleten. Auch wenn es noch zwei Tage bis zum Wettkampf waren, lag bereits eine gewisse „Pre Race“ Stimmung in der Luft. Jedoch auf eine angenehme Weise, die für Vorfreude und Aufregung zugleich sorgte. Auch als ich unten am Kanal stand und nochmals festgestellt habe, wie scheiße lang 3,8 km eigentlich sind überwiegte die Freude auf den großen Tag. Ich beschloss mich nicht einschüchtern zu lassen und schwamm einfach gegen den Strom und in die andere Richtung. So hatte ich den Kanal für mich alleine und konnte in Ruhe paar Meter schwimmen. 400 m reichten mir auch schon, man soll es ja auch nicht übertreiben. Nicht wenige schienen tatsächlich die kompletten 3,8 km zu schwimmen. Das wollte ich mir als große Premiere für Sonntag aufheben 😉

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Nach dem Frühstück fuhren wir dann nach Hilpoltstein, um noch die letzten Sachen einzukaufen, u.a. Bananen und Muffins, mein persönliches Doping. Um den Fans einen Platz auf dem Campingplatz von unserer Pension zu reservieren bauten wir anschließend das große Zelt auf, zur Belustigung der anderen Campingleute: zwei kleine Haschigks bauen ein 2 m großes Zelt auf, aber wer einen Ironman schaffen will, sollte ja nicht daran scheitern 😉

Am Nachmittag war es dann soweit und wir fuhren nach Roth, um die

Traithlon Park

Startunterlagen abzuholen. Und da war sie dann wieder die Aufregung. Den

Triathlon Park zu betreten, das Stadion zu sehen, wo der Zieleinlauf sein wird und die ganzen anderen verrückten herumwuselnden Triathleten machten mir klar, dass es nun tatsächlich soweit war. Spätestens als ich dann wirklich meine Startnummer, Chip und Badekappe mit Startzeit in der Hand hatte wußte ich: Shit es wird ernst!

Zum Glück war auch Susi da, die mit mir startete und genauso aufgeregt war. Wir sprachen uns gegenseitig Mut zu und tauschten noch Tipps aus, die wir beide von anderen Langdistanzlern für unser Debüt bekommen hatten. Wir beschlossen nicht auf die Pastaparty zu gehen, sondern dass jeder lieber gemütlich für sich essen geht und somit etwas Ruhe vom Triathlonzirkus hat. Familie Haschigk suchte sich also einen netten Italiener, damit ich dennoch zu meiner Pasta kam.

Dann war es auch schon Samstag und nur noch 1 Tag to go… Für Samstag stand dann noch eine kleine Laufeinheit auf dem Programm, um die Beine aufzuwecken und spritzig zu machen. Ina, meine treue, geduldige Betreuerin und ich liefen dann nochmals runter zum Kanal, wo sich im Vergleich zum Vortag deutlich mehr Leute einschwammen und ich realisierte, dass ich in weniger als 24h da unten am Start stehen werde….

Zum Frühstück kamen dann schon Maren, Caro und JD, die mich ablenkten und ich die Aufregung irgnorieren konnte. Kurz darauf wurde dann zum letzten Mal Hand ans Fahrrad gelegt: Getränkehalter hinter dem Sattel und Trinkflasche auf dem Aufleger fixieren, Startnummer befestigen, Kette ölen und das Rad nochmal schön machen für den großen Tag. Mit Rad und Laufbeutel ging es dann zum Bike Check-In und je näher wir kamen, umso lauter pochte mein Herz. Die ruhige „Pre Race“ Stimmung vom Freitag morgen wich einer leicht hektischen, angespannten Stimmung. Ich war froh, als ich mein Rad dann an sein Platz gestellt und meinen Laufbeutel abgegeben hatte, denn ich wollte schnell raus aus der Wechselzone um mich nicht weiter verunsichern lassen. Während sich die „Fans“ einen schönen Nachmittag am See machten, fuhren Susi und ich nach Roth zur Wettkampfbesprechung. Da es jedoch in dem Zelt gefühlt 50 Grad hatte, verließen wir diese frühzeitig nach einer Stunde, was vielleicht nicht so schlau war, aber das sollte ich erst am Sonntag merken…..

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Wieder zurück in der Pension war der Fanclub mit Julia, Caro, Isi und Madeleine aus München sowie Kerstin, Britta und Nathi aus Stuttgart komplett.

Kurz geratscht, Knie getapet (danke Kerstin!), Power-Pasta gefuttert und dann hieß es auch schon ab ins Bett. Aber um 21 Uhr zu schlafen ist leichter gesagt als getan. Ich bin gefühlt zum 100ten Mal meine Sachen für den nächsten Tag und die entsprechenden Wechsel im Kopf durchgegangen. Ina schaffte es dann mich zum schlafen zu bringen, und erstaunlicherweise schlief ich bald ein und auch recht gut.

Sonntag 09.07.2017 DER TAG! Morgens 4:30 Uhr, es ist noch dunkel und der Wecker klingelt! Auch wenn ich ein absoluter Snooze-Profi bin und etwas länger brauche um aus dem Bett zu kommen, war ich in null-komma-nix wach und mit einem Satz aus dem Bett gehüpft. Ich vermute es war tatsächlich Vorfreude auf den wahrscheinlich längsten Sporttag meines Lebens!

Frühstücken um 5 Uhr morgens ist schon mal die erste Herausforderung, aber Nutella Semmel und Banane geht immer!

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Mit Sonnenaufgang geht es dann zu Fuß von unserer Pension zum Start. Je näher wir kommen umso nervöser werde ich, was genau in meinem Kopf vorging, kann ich gar nicht mehr sagen, aber wir waren etwas spät dran (ja wundert manche wahrscheinlich nicht 😉) und somit war ich eher damit beschäftigt die Uhr im Auge zu behalten. In der Wechselzone war schon einiges los und ich versuchte mich nicht stressen zu lassen und in Ruhe nochmal die Reifen aufzupumpen und aus meinem Cube ein fahrendes Catering-Mobil zu machen. Denn bei 6 Stunden auf dem Rad braucht man schon bisserl was zu essen und trinken.

Die Stimmung in der Wechselzone war unbeschreiblich, es knisterte vor Anspannung. Alle Teilnehmer waren höchstkonzentriert und fokussiert. Als die Moderatoren dann ein „Gebet“ an alle Teilnehmer sprachen, musste ich mich kurz zusammenreißen um keine Träne zu verlieren. Die Aufregung hatte ihren Höhepunkt erreicht. Aber es blieb nicht mehr viel Zeit und ich musste schnell in den Neoprenanzug, der Ina meine Sachen in die Hand drücken und dann schnell zum Schwimmstart. Da mittlerweile auch schon viele Zuschauer da waren, entdeckte ich meine Eltern und Fans leider nicht mehr. Ich flitzte noch schnell auf Toilette und dann zum Wasser.

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06:50 Uhr, noch 10 Minuten bis zum Start, mein Neoprenanzug war noch nicht zu und ich fand Susi einfach nicht. Verzweifelt suchte ich sie um ihr viel Glück zu wünschen, sie zu drücken und natürlich auch damit sie meinen Neoprenanzug zu machen konnte. Es hatten jedoch alle einen schwarzen Neopren an und eine rote Badekappe auf somit fand ich sie einfach nicht. Ich bat also ich eine andere Teilnehmerin, die ich witzigerweise vom Trainingscamp auf Mallorca kannte, mir den Neoprenanzug zuzumachen. Zwischen Bauzaun und Zelt wurden wir dann in Richtung Wasser geschleust und es waren nur noch wenige Minuten bis zum Start. Wie immer reihte ich mich hinten ein, um den schnellen Schwimmern Vortritt zu lassen, was sich dieses Mal als Fehler herausstellen sollte. Zwischen dem Gedrängel entdeckte ich Susi dann doch noch und drückte sie durch den Zaun. Dann waren die ersten auch schon im Wasser und schwammen alle zielstrebig nach rechts. Ich ging als letzte ins Wasser, tauchte kurz unter um einmal Wasser durch den Neo laufen zu lassen, damit dieser eng anliegt. Um den Neo zu „fluten“ muss man dann aber auch wieder kurz aus dem Wasser raus, was ich auch tat. In der Zwischenzeit sind alle ca. 250 Frauen im Wasser geblieben bzw. bis zur Schnur geschwommen, die zum Start hochgehoben wird. Sprich man startet aus dem Wasser und nicht von Land. Ich stand dann also alleine am Ufer, winkte noch pauschal da ich dachte, dass mich meine Familie und Freunde dann vielleicht sehen, als es dann auf einmal hieß: „und das ist der Start der Frauen!“ Ich blickte nach rechts, sah wie sich die Schnurr hebte und sich ein Pulk an Schwimmern 50 m von mir entfernt in Bewegung setzte, während ich am Ufer winkte. „AHHH das kann doch nicht wahr sein, ich verpasste meinen eigenen Start!“

Und das war genau der Moment, warum es vielleicht besser gewesen wäre sich die Wettkampfbesprechung komplett anzuhören oder eben mal früher am Start zu sein. Nun gut, der Startschuß war gefallen, die Frauen schwammen und ich musste dann wohl auch mal los….Um nicht von Anfang an allerletzte zu sein, versuchte ich erstmal Anschluss an den Pulk zu bekommen und schwamm die ersten Meter Brust, da ich so schneller war. Zum Glück hatte ich bald die letzten Schwimmerinnen eingeholt. Ich versuchte mich zu beruhigen und mich nicht mehr zu ärgern, denn der Tag würde ja noch lange werden. Bis zur Brücke, also die ersten ca. 400 m versuchte ich ruhig zu schwimmen und meinen Rhythmus zu finden. Nach der Brücke entdeckte ich am Ufer eine Gruppe in grünen Tshirts und freute mich riesig meine Familie und Freunde zu sehen und zu begrüßen. Nach so einem holprigen Start tut es doppelt gut bekannte Gesichter zu sehen und Unterstützung zu bekommen. Sie liefen dann gute 1,5 km neben mir her und feuerten mich an, was mir unglaublich viel brachte. Ab da lief es dann auch richtig gut und ich war wieder zuversichtlich, dass es doch noch ein guter Tag werden könnte.

Ich hatte vor dem schwimmen am meisten Respekt, da ich zuvor noch nie 3,8 km am Stück geschwommen bin. Ich bin schon mal 180 km geradelt und 42 km gelaufen, aber noch nie so lange an einem Stück geschwommen. Erstaunlicherweise war ich mit 1:27 Std sogar paar Minuten schneller als erwartet und sehr erleichtert als ich aus dem Wasser kam.

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Aus dem Neoprenanzug rauszukommen ist mindestens genauso schwer wie reinzukommen, doch zum Glück gibt es im Wechselzelt nette Helfer, die einem dabei behilflich sind. Der Weg vom Wechselzelt ist zwar nicht der längste, kann jedoch auch mal länger dauern, vor allem wenn man noch am Dixie ansteht, eine Banane isst, sein Rad nicht findet und dann noch meint das Startnummernband enger machen zu müssen, es aber fälschlicherweise weiter macht, um es dann wieder enger zu machen…und so können schon mal paar Minuten draufgehen. Ok über 10 Minuten ist definitiv seeehr lange für eine Wechselzeit. Aber ich wollte mich eben bei der ersten Langdistanz nicht stressen 😉

Die Taktik fürs Radfahren war recht einfach: auf den Puls achten und so fahren, dass der Puls im GA1 bleibt. Tempo war somit nebensächlich! Danke für diesen Tipp Phillipp, der war Gold wert! Ich radelte also so für mich hin und hatte nur meinen Puls im Blick. Mein Tacho gab eh nach km 70 den Geist auf und ich radelte quasi planlos. Obwohl sehr heißes, sonniges Wetter angesagt war, zog es nach den ersten Kilometern etwas zu und ich hatte kurz die Befürchtung, dass es anfängt zu regnen. Wobei ich mir eher Sorgen um die Fans als um mich machte. Die Sorgen wurden dann aber im wahrsten Sinne des Wortes weggepustet, denn es kam Wind auf und natürlich Gegenwind! Somit mussten die Beinchen etwas kämpfen, was ihnen aber keine Probleme bereitete. Als ich auf der zweiten Runde war, also schon über 90 km gefahren war, fuhr ich an einer Kirchturmuhr vorbei und konnte mir so zum ersten Mal ausrechnen, dass ich wohl recht flott unterwegs war. Es lief halt einfach und nachdem der Puls nach wie vor im grünen Bereich war, behielt ich das Tempo einfach bei. Langsamer konnte ich dann später immer noch machen, falls es sein muss.20x30-CRIE3011

Der Wind hatte sich dann gelegt und die Sonne kam raus, so dass ich nicht nur viel trinken musste sondern mich auch runterkühlen musste. Das heißt, dass ich mir schon vor der Verpflegungsstation gut überlegen musste, was ich brauche und mir reichen lasse. Also musste ein Masterplan her: 1. Leere Flasche wegschmeißen, 2. Volle Flasche greifen und schnell in den Getränkehalter, 3. Flasche greifen, schnell über Kopf und Nacken schütten, Schluck trinken und noch schnell in der Zone wegschmeißen. Viel Zeit bleibt dafür nicht, aber man hat ja paar km und paar Stationen um zu üben. Besonders tricky wird es, wenn man auch noch eine Banane haben möchte 😉 Aber auch das habe ich irgendwie hinbekommen!

Eine weitere Herausforderung ist die Pippi-Pause. Auf der Radstrecke ist man selten bis gar nicht alleine und eine Klowagen, Gasthaus etc. zum stoppen gibt es auch nicht. Als es dann also gar nicht mehr ging, habe ich einfach kurz im Wald gehalten und dann war auch das erledigt.

Ein besonderes Highlight ist definitiv der Solarer Berg. Ich hatte schon so viel davon gehört und freute mich schon darauf. Als ich dann tatsächlich durch die Menschenmenge gefahren bin, die einen mit Motivationsschreien & -gesängen die Steigung hochpushen, bekam ich nicht nur Gänsehaut sondern auch feuchte Augen- es war der absolute Wahnsinn! Ganz besonders war der Moment als ich all die bekannten Gesichter von meinen Freunden gesehen habe, an denen ich direkt vorbei gefahren bin und mich angefeuert haben! It was just awesome!

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Auch meine Eltern hatten sich einen guten Plan zurecht gelegt und überrascht mich an einigen Stellen, wo ich sie gar nicht erwartet hätte!

Auch die letzten Kilometer liefen noch so gut, dass ich tatsächlich auch einige Mä

nner auf ihren Zeitfahrrädern überholte, die teils schon etwas Sitzprobleme hatten und mit ihrem Aerohelm eher zu kämpfen hatten, anstatt Nutzen daraus zu ziehen.  Mir machte das radeln auf dieser grandiosen Strecke so viel Spaß, dass ich sogar kurzzeitig überlegte langsamer zu fahren, damit es nicht gleich vorbei ist. Jedoch fiel mir dann ein, dass ja auch noch ein Marathon bevorsteht. Ok also rollte ich die letzten 10 km locker nach Roth, wo meine Laufschuhe auf mich warteten.20x30-CRIG5136

Auch in diesem Wechselzelt ließ ich mich nicht stressen, ganz im Gegenteil ich plauderte noch mit der Helferin und einer anderen Teilnehmerin, die ich überholt hatte und die mich für meine sehr gute Radleistung auf einem „normalen Rennrad“ lobte. So ein Kompliment muss man ja auch mitnehmen, dann noch kurz aufs Dixie, ein Trinkstop und ab auf die Laufstrecke. Eigentlich hatte Phillip, sozusagen Coach und Trainingsplanschreiber, mir geraten die ersten Meter zu gehen. Meine Beine fühlten sich aber ganz gut an und ehrlich gesagt habe ich ja im Wechselzelt lange genug getrödelt, so dass die Beine kurze Zeit zur Erholung hatten. Ich hatte nach wie vor keine Ahnung wie lange ich bereits unterwegs war und auch beim Laufen achtete ich nur darauf, dass mein Puls im GA1 bleibt, damit ich nicht zu schnell zu viel Energie verbrenne und Gefahr laufe einzubrechen. Da viele andere Teilnehmer schnell losliefen, musste ich mich die ersten zwei km eher bremsen, bis ich ein angenehmes Tempo gefunden hatte. Und dann hieß es noch 40km to run…. Auf die Laufstrecke wurde ich von meinen Freunden geschickt, was mir einen unglaublichen Motivationsschub gab und ich mir da schon überlegte, wo ich sie wohl wieder sehen werde. Denn bereits auf der Radstrecke hatten sie ein perfektes Timing und ich habe sie oft gesehen. Somit war ich gespannt, wie oft ich sie auf der Laufstrecke sehen werde, die seit diesem Jahr mit dem neuen Kurs zuschauerfreundlicher ist da sie u.a. direkt durch Roth geht.

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Die erste Überraschung war Jan, der im Wald vor dem faden Stück zum Kanal auf mich wartete und ein paar Meter mit mir lief. Er klärte mich dann erstmals über meine Zeiten auf, wobei ich zu dem Zeitpunkt nicht so wirklich was davon wahrgenommen habe, außer dass ich wohl recht zügig unterwegs war.

An dieser Stelle vielleicht mal kurz eine Erklärung zu meinen erwarteten Zeiten. Ich hatte nicht so richtig einen Plan, hielt aber eine Endzeit von 13 Stunden realistisch, also grob: 1,5 Std schwimmen, 6,5 Std Radfahren und 4,5 Stunden laufen und eben noch Wechselzeiten.

Ich lief nach wie vor im gleichen Tempo und freute mich jedes Mal riesig wenn ich irgendwo meine Eltern oder meine Freunde sah, die mich lauthals anfeuerten und mich unglaublich unterstützen. Sie hatten sich alle so gut aufgeteilt, dass ich immer gut abgelenkt war indem ich mir überlegte, wen ich schon wo gesehen hatte und wen ich wohl als nächstes sehen werde.

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Die erste Hälfte vom Marathon war schneller absolviert als ich dachte, jedoch blieben noch 22 km zu laufen und das hieß die gleiche Runde noch einmal. Einmal zum Kanal, zum Glück wieder in Begleitung von Jan, der mir gut zuredete und mich motivierte, denn hier machte sich das erste Tief bemerkbar. Die Beine wurden das erste Mal schwer und bei dem Gedanken noch über 20 km laufen zu müssen, hatte ich das erste Mal keine Lust mehr. Aber gerade für solche Momente hatte ich mir noch Gels aufgespart. Und es wirkte Wunder, das Gel gab mir den nötigen Energie-Kick und die Beine konnten weiterlaufen.

In Roth dann die große Überraschung auch Silvi und Ulf sind von Berlin nach Roth gekommen! Mit dieser Freude und gepusht durch die Endorphine, ging es dann zum zweiten und, letzten Mal über den „Berg“ nach Büchenbach. Während sich hier der ein oder andere Läufer übergeben musste, beschloss ich den Berg hinaufzugehen um Energie zu sparen. Dann ein letztes Mal durch das Stimmungsnest Büchenbach und zurück nach Roth zum Ziel. Auf den letzten 10 km musste dann das letzte Gel herhalten, als das zweite Tief kam. Dieses wurde aber erfolgreich besiegt, denn wenn man schon 210 km hinter sich gebracht hat, sind ja wohl 10 km ein Klacks!!!

Als ich zum letzten Mal durch die Innenstadt von Roth lief und wusste, dass es nur noch wenige km bis zur Ziellinie waren, erblickte ich die Kirchturmuhr und es war 18:55 Uhr! Ich fing an zu rechnen und konnte es selber kaum glauben. Start war um 07:00 Uhr das heißt ich könnte evtl. die 12 Std knacken und gab nochmals Gas. Aber auch nur bis ich Carina sah, die mir zurief: „Hanna du hast es gleich geschafft. Genieß es!“ Und sie hatte Recht, anstatt zu versuchen die 12 Std zu knacken, sollte ich die letzten Meter und vor allem den Zieleinlauf besser genießen. Ich nahm also das Tempo wieder raus, was gut war denn das laufen fiel mir dann doch schwer. Ich sehnte den Moment herbei, in das Stadion einzulaufen und war dann so überrascht, dass sich bereits vor dem Stadion eine Allee an Leuten gebildet hatte, die einem gratulieren und bejubeln, unter anderem auch meine Freunde und Familie! Überwältigt und gerührt lief ich dann schließlich in das Stadion ein und über die Ziellinie…..und dann war es geschafft! I am an Iron(wo)man!!!

I made it- 226 km: 3,8 km geschwommen, 180km geradelt und 42,2 km gelaufen!

Und das Ganze auch noch eine Stunde schneller als erwartet, in 12:06 Std!!!20x30-CRIN4926

An dieser Stelle ein riesen Dankeschön an Euch: meine Schwester Ina, meine Eltern und meine Freunde- ihr seid die allerbesten Fans! Ich bin immer noch überwältigt, wenn ich an eure Unterstützung zurückdenke. Und auch mein Respekt an euch, wie ihr den ganzen Tag durchgehalten habt, ihr immer an der richtigen Stelle wart und einfach nicht müde geworden seid mich anzufeuern, ihr habt mich immer so angefeuert, als ob ich gerade erst gestartet wäre, selbst noch im Ziel!

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Danke Phillipp für den Trainingsplan und dass du immer ein Ohr für mich hattest! Danke Kathl, dass du meine Knie fit gemacht hast! Danke Susi, dass du das mit mir gemeinsam durchgezogen hast und mich überhaupt erst dazu gebracht hast!

Genauso wie du Madeleine- Danke! Den Job als Fan-Koordinator hast du hervorragend gemacht!

Danke Ina, dass du mich seit meinem ersten Triathlon begleitest, für mich da bist und mich erträgst, wenn ich nervös und evtl. pampig werde!

Danke Mama und Papa, dass ihr so oft dabei seid und mitfiebert, auch wenn ich damit eure Nerven strapaziere und es euch lieber wäre, wenn ich Ballett machen würde 😉

Danke Isi, dass du mir immer Mut zusprichst, wenn es nötig ist oder mich vor Verzweiflung bewahrst, wenn ich zu ungeduldig bin!

Danke Stuggis, dass ihr mit vor Ort wart und für euren großartigen Support! Toll Silvi und Ulf, dass ihr den langen Weg von Berlin auf euch genommen habt. Danke Julia& Caro dass ihr Team München vertreten habt. Und Jan danke dir fürs mitlaufen und die Vorbereitungsläufe im Schloßpark! Und auch ein riesen Danke an alle, die am 09.07 von daheim mitgefiebert haben!

Challenge Roth 2017, it was lengendary:IMG_1267

https://www.youtube.com/watch?v=Z2CZn966cUg

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Ein Gedanke zu „Der große Tag, 09.07.2017“

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